Wer bestimmt deine Zukunft?

Das Verlangen nach Zukunftswissen hat es schon immer gegeben. Orakel und Auguren – das war ein ganzer Berufszweig in der Antike. In der Frühen Neuzeit kam die Prognostik auf. Sie sollte die Ungewissheiten eindämmen, die nach der „Entdeckung“ Amerikas entstanden waren. In der globalisierten Welt verändert sich der Stellenwert dieses Verlangens nach Zukunftswissen noch einmal paradigmatisch.

Mit der Nuklearkatastrophe von Tschernobyl im Jahr 1986 kommt es zu einer Zäsur: Die Verkettung von Störfällen in einer Welt, in der alles miteinander vernetzt ist, führt vor Augen, wie alles durch einen Schmetterlingseffekt außer Kontrolle geraten kann. Zu Beginn des 21. Jahrhunderts lassen Vogelgrippen, Terroranschläge und Naturkatastrophen die Fragilität der „Weltrisikogesellschaft“ (Beck) spürbar werden. Der Zweig der Risikoanalyse erfährt einen gänzlich neuen Stellenwert – und damit auch das Verlangen nach Zukunftswissen.

Heute rückt das Verwalten von Sicherheit vielfältige Bedrohungen ins Blickfeld. Dinge also, die, anders als Gefahren, nicht gegenwärtig, sondern virtuell sind. Dinge, die eintreffen könnten. Oder auch nicht. Doch was kann man schon ausschließen? Um der radikalen Ungewissheit Herr zu werden, wird die Gegenwart einer mathematisch kalkulierten Zukunft untergeordnet. Mit Big-Data-Technologien und den rasant wachsenden Industrien der Prädiktion wird diese Denkungsart zum dominanten Lösungsansatz in Politik, Wirtschaft und quasi allen gesellschaftlichen Bereichen.

Industrien der Prädiktion

In der massenmedialen Öffentlichkeit wird die Vorstellung omnipräsenter, das Zukunft eine Sache kühler Prädiktion ist. Ein integraler Bestandteil dieser Idee ist, dass das Vorhersagen der Zukunft auf der Erhebung von stetig größer werdenden Datenmengen und deren Analyse basiert. So wird Big Data sowohl für Regierungen als auch für Unternehmen wichtig. Dating-Plattformen und soziale Netzwerke greifen darauf genauso zurück wie staatliche Einrichtungen zur Terrorismusbekämpfung und Stadtplanung.

Die Rede von einer „Big-Data-Revolution“ geht um.

Im Zuge dessen expandieren Industrien der Prädiktion und stoßen in alle erdenklichen Lebensbereiche vor. Derweil kommt die Frage auf: Welche Konsequenzen entstehen für demokratische Prozesse und für die Bildung mündiger, handlungsfähiger Bürgerinnen und Bürger? Kannst du bei so viel Vorhersage überhaupt noch „outside the box“ denken und eigene Vorstellungen entwickeln? Wer bestimmt deine Zukunft?

Um diesen drängenden Fragen nachzugehen, bot der Zukunftskongress: Die kalifornische Herausforderung des BuceriusLab der ZEIT-Stifung eine Plattform für Austausch und Diskussion. Bei einem Workshop zu Big Data kam auf Magdalena Taubes Einladung eine Gruppe von ExpertInnen zusammen, um über die Produktion von Zukunftswissen zu diskutierten. TeilnehmerInnen aus sechs verschiedenen Ländern, etwa aus Kroatien, Japan und Großbritannien, so unterschiedlich wie Datenschutz-AktivistInnen und Daten-UnternehmerInnen analysierten die Erzählungen der Big-Data-Revolution und suchten dabei nach Alternativen zur dominanten Silicon-Valley-Version.

Das kalifornische Märchen

Die vermeintlichen Visionäre aus Kalifornien haben es vorgedacht: Verpackt in Innovationsprogramme und Accelerator-Abteilungen soll die Wirtschaft auf die Potenziale der Big-Data-Technologien setzen. Auch staatliche Akteure sollen einen ungeheuren Datenhunger an den Tag legen und sich zu technologischen Utopisten entwickeln.

Viele sind diesem Silicon-Valley-Appell nachgekommen. Die Welt ist seitdem nicht mehr die gleiche. Seit Jahren zeichnet sich ein besorgniserregender Trend zur Monopolisierung von Infrastrukturen und Ressourcen ab. Big Data bedeutet somit immer mehr auch: Big Global Player. Kleinere Firmen können nicht mithalten.

Noch als Nebenprodukt dieser Entwicklung gehandelt, entstehen Branchen und Firmen, die erheblichen Einfluss auf Prozesse der politischen Willensbildung haben – Facebook im Wahlkampf etwa – und über deren Funktionsweisen du kaum etwas erfährst. Auch sonst haben Bürgerinnen und Bürgern kaum eine Chance, sich beim kalifornischen Märchen aktiv einzubringen und als mündige Akteure mitzuwirken.

Im Gegenteil: Der Gemeinwillen eines Volkes – gewissermaßen der demokratische Kern der Französischen Revolution – wird heute wie das kollektiv Unbewusste gehandelt, das dort schlummert, wo die Datenspuren der Massen lagern, also in der Cloud. Statt in direkter Volksabstimmung ermittelt, soll der volonté générale entsprechend mit Hilfe von Algorithmen analysiert werden: auf Wünsche, Präferenzen und zukünftige Handlungen hin. Entsprechend dechiffriert, soll er als Zukunftswissen urbar gemacht werden – von jenen freilich, die exklusiven Zugang zu den Datenbanken haben.

So entsteht ein „digitaler Feudalismus“ (Sascha Meinrath) — geprägt durch eine neue Aristokratie der Datenfürsten. Doch wer reguliert dieses Gebaren? Die EU hat zwar strenge Richtlinien, doch internationale Datentransferübereinkünfte untergraben diese. All das ist auch deshalb alarmierend, weil Tag für Tag deutlicher wird, dass die Gesellschaft aus den Big-Data-Technologien nicht ohne Weiteres aussteigen kann. Die Investitionen sind zu hoch. Die Abhängigkeiten, die entstanden sind, zu groß.

Und Europa?

Und Europa?

Gibt es Alternativen zu Big-Data-Monopolen? Was kann Europa dem digitalen Feudalismus des Silicon Valley entgegensetzen?

Oft hilft der Blick über den Tellerrand.

In Japan etwa steht Big Data für Wind, Wald, Feuer und Gebirge. Das ist eine Erzählung, die anerkennt, dass Natur im Anthropozän neu erfunden wird – einerseits durch Technik und andererseits als Technik. Eine Erzählung, die sich aber auch auf Tradition besinnt. Nämlich auf eine symbiotische Beziehung von Mensch und Natur, die – vor der Einführung westlicher Technologien in Japan geprägt – in der digitalen Gegenwart ein dialogisches Verhältnis zwischen Mensch und Technik ermöglicht.

Und Europa? Könnte sich die Zivilgesellschaft nicht auf die Aufklärung und auf die Französische Revolution besinnen, um dem digitalen Feudalismus aus Kalifornien zu trotzen?

Diese Fragen warfen die Gäste des Big-Data-Workshops beim Zukunftskongress auf. Hier ein paar Impressionen in Bildern.

Die Aussagen zeigen, wie vielfältig die Haltung der TeilnehmerInnen des Workshops gegenüber Big Data war. So stellte sich beispielsweise heraus, dass es kulturelle Unterschiede beim Verständnis davon gibt, was Big Data überhaupt ist. In Japan nimmt man darauf eine andere Perspektive ein als in Deutschland.

Was sie alle gemeinsam haben: Sie verweisen auf eine Kluft zwischen den technologischen Versprechen und den politischen sowie wirtschaftlichen Herrschaftsverhältnissen. Ablesbar ist das sowohl an der Frustration gegenüber der Innovationsträgheit der EU als auch an den Sorgen um die Privatsphäre und den Verlust von Menschen- und Bürgerrechten im Allgemeinen.

Aussage für Aussage zeigt sich auch, dass sehr viele unterschiedliche Akteure nicht länger bereit sind, den Daten-Mogulen das Feld zu überlassen. Dass sie bereit sind, selber anzupacken und an der technologischen Weiterentwicklung der Gesellschaft zu arbeiten.
Und dass sie die treibende Kraft bei einem Neuanfang sein könnten – bei einer Revolution gegen den Cyber-Adel aus dem Silicon-Valley im Namen von europäischen Werten.

Dies nicht der Ausgangspunkt für eine Gegenerzählung zum kalifornischen Märchen. Also stellt sich zunächst die Frage: Wessen Revolution ist die Big-Data-Revolution eigentlich?

Wessen Revolution ist das eigentlich?

Wessen Revolution ist das eigentlich?

Wer heute im Kielwasser der Meinungsmacher aus dem Silicon Valley von der Big-Data-Revolution spricht, meint damit milliardenschwere Industrien, die Technologien sowie analytische Verfahren entwickeln, um den unermesslichen Anstieg an Daten verarbeiten und interpretieren zu können. Beflügelt vom Versprechen der Allwissenheit, wollen die revolutionären Unternehmer und Ingenieure aus den Unmengen des neuen Rohstoffs das Wissen der Zukunft machen: Korrelationen und Risikomuster, Bewegungsprofile und Social Graphs. Doch was hat das mit dir zu tun?

Seit den 1990ern avanciert das Internet zu einem Massenmedium, das alle anderen Medien in sich aufnimmt und überformt und das Arbeit, Bildung sowie Politik auf einen neuen Boden stellt. Anfang der Nuller Jahre rückte bei dieser Umwälzung auf einmal „jeder“ in den Mittelpunkt – und deine Zeit war gekommen. Mit dem Aufkommen des Web 2.0 konnte das Internet als das erste Massenmedium gefeiert werden, welches den Massen tatsächlich eine Stimme verlieh. Es hieß, „jeder“ könne sich zu Wort melden und Meinungen veröffentlichen. „Jeder“ könne sein eigener Chefredakteur und Verleger sein.

Demokratisches Potenzial

Heute steht die Idee des eigenverantwortlichen Handelns noch immer hoch im Kurs. Und auch die vermeintlich demokratischen Web 2.0-Werkzeuge existieren noch. Doch deren demokratisches Potenzial wird im Zuge der Big-Data-Revolution untergraben: Während der soziale Druck wächst, vermeintlich „freie“ Web-Angebote zu nutzen (und du dem auch bereitwilliger denn je nachkommst), laufen intransparente Programme im Hintergrund. Du bekommst kaum mit, wo du Datenspuren hinterlässt und auf welche Weise und durch wen sie ausgewertet werden.

Also, welche Rolle spielst du in der Big-Data-Revolution? Bist du Akteur oder Statist? Was ist überhaupt neu an Big Data? Und was daran ist das Revolutionäre? Bevor sich das klären lässt, muss man über die Rolle von ExpertInnen sprechen.

Braucht eine Revolution ExpertInnen?

Braucht eine Revolution ExpertInnen?

Laut Wikipedia ist eine „Revolution ein grundlegender und nachhaltiger struktureller Wandel eines oder mehrerer Systeme, der meist abrupt oder in relativ kurzer Zeit erfolgt“.

ExpertInnen streiten noch darüber, was das im Falle von Big Data bedeutet: Hat man es mit einem revolutionären Wandel im Bereich der Wissenschaft zu tun, weil Korrelation mit Kausalität konkurriert? Oder mit einem solchen Wandel im Bereich der Exekutive, weil nicht mehr tatsächliche Taten, sondern mögliche Verbrechen in den Fokus der Polizei rücken? Oder im Bereich der Politik, weil demokratische Verfahren durch demokratisch nicht legitimierbare Big-Data-Governance abgelöst werden? Oder hat man es mit einem Wandel in all diesen Bereichen zugleich und vielen anderen mehr zu tun?

Auf der Hand liegt, dass ExpertInnen bei diesem Prozess und seiner Auslegung unverzichtbar sind. Sie können helfen, den Wandel zu deuten und in sinnvolle Bahnen zu lenken. Doch sollte es sich dabei ausschließlich um Gelehrte, UnternehmerInnen und MedienmacherInnen höchsten Ranges handeln?

Meinungsbildende Persönlichkeiten erklären immer wieder, dass eine Big-Data-Revolution stattfindet. Allen voran Manager wie der ehemalige Google-CEO Eric Schmidt. Doch selbst prominente Wissenschaftler haben diesen Silicon Valley-Terminus weitgehend unkritisch übernommen. Beispielsweise Viktor Mayer-Schönberger, Professor von der Oxford University, der gemeinsam mit dem einflussreichen Journalisten und Econmist-Redakeur Kenneth Cukier das Buch Big-Data-Revolution geschrieben hat.

Schmidt und Co. können sich sogar vorstellen, dass auch du bei dieser Revolution mitwirken kannst. Sie schlagen vor, dass du dazu Programmierer, Data Scientist, Unternehmer oder Ähnliches werden solltest. Kurz: Ermächtigung qua Karriere in der digitalen Gesellschaft. Das klingt nach der perfekten Verschmelzung von zukunftsweisender Berufswahl und politischer Emanzipation. Doch könnte der Wunsch als Demokrat in der Big-Data-Gesellschaft mitwirken zu können nicht auch unabhängig vom Berufswunsch verhandelt werden? In einer durch und durch ökonomisierten Gesellschaft scheint dies aussichtslos. Dennoch musst du nicht primär beruflich an Daten interessiert sein, um dir folgende Frage zu stellen: Warum geht Big Data dich etwas an?

Warum geht Big Data dich etwas an? Drei Statements

Warum geht Big Data dich etwas an? Drei Statements

Big Data ist längst in deinem Alltag angekommen, vorangetrieben durch die kalifornische Digitalkultur. Die drei nachfolgenden Statements zeigen, wie vielfältig die Beschäftigung mit Big Data sein kann und wie Menschen aus verschiedenen gesellschaftlichen Bereichen sich bereits jetzt intensiv mit Big Data beschäftigen.

Zum Beispiel Michael Prinzinger. Der Programmierer plädiert dafür, Big Data zwar zu nutzen, aber die Daten zu verschlüsseln und zu anonymisieren. So kann die Wissenschaft nach wie vor von den Erkenntnissen der Big-Data-Analyse profitieren, doch die Privatsphäre der einzelnen UserInnen bleibt unangetastet. Schau selbst:

Während Michael bei seinem Statement vor allem auf technische Aspekte eingeht, sind Nina Pohlers Ausführungen von politischen Überlegungen geprägt. Die Soziologin von der Hafen Citiy-Universität in Hamburg, macht sich Gedanken darüber, ob Big Data nicht in die Hände derer gelangen sollte, die sie erschaffen – die NutzerInnen.

Eine wiederum andere Perspektive und Expertenmeinung vertritt Sahil Deo. Der Software-Ingenieur, der in Indien geboren wurde und in Berlin inzwischen eine eigene Firma betreibt, glaubt, dass die EU oft viel zu zaghaft mit technologischen Innovationen umgeht und Europas digitale Gesellschaft deswegen hinterherhinkt.

Drei Statements und drei vollkommen unterschiedliche Ansätze. Gemein ist ihnen, dass sie zeigen, dass Big Data alle betrifft. Auch dich! Und sie zeigen zudem: Auch du kannst ExpertIn sein!

Vor jedem Zukunftwissen gibt es zunächst Erfahrungswissen

Vor jedem Zukunftwissen gibt es zunächst Erfahrungswissen

Du konsultierst Wikipedia, wenn du dich auf die Schnelle informieren willst. Du organisierst dich in WhatsApp- und Facebookgruppen, wenn du deinen Hobbies nachgehst oder Aktionen planst. Du machst Fotos und lädst sie bei Flickr und Instagram hoch, wenn du deine Beobachtungen mit Freunden teilen möchtest. Kurz: dein Leben ist von den Kommunikationsmöglichkeiten des Internet geprägt. Du bist dabei kein passiver Konsument, sondern gestaltest hier aktiv mit.

Im Umgang mit digitalen Technologien macht jeder Mensch ganz unterschiedliche Erfahrungen – abhängig von Alter, Bildungsstand, Nationalität und sogar Geschlecht. In diesen Erfahrungen steckt ein besonderes Wissen – eine Art Erfahrungswissen! Es macht dich zu einem Experten oder zu einer Expertin. Bist du dir darüber bewusst? Bekommst du Möglichkeiten, um dein spezielles Wissen einzubringen?

CEOs, Ärzte und Wikipedia

Dass sich heute die Vorstellung vom Experten ändert, ist kein Wunschdenken. Das Mitmach-Lexikon Wikipedia etwa zeigt, dass sich in den letzten 20 Jahren ein grundlegender Wandel vom Verständnis des Experten vollzogen hat. Nicht nur Schüler, die noch schnell ein Referat erstellen müssen, sondern auch CEOs und Ärzte vertrauen auf das Wissen der Enzyklopädie. Und dass, obwohl ihnen nicht bekannt ist, wer genau das dort versammelte Wissen eigentlich verfasst hat.

In der Sozialwissenschaft spricht man heute von „experience-based experts“. Damit sind Menschen gemeint, deren Expertise sich aus ihren Erfahrungen speist. Dabei wird nach wie vor unterschieden, ob eine Person über ein großes Faktenwissen auf einem ganz bestimmten Feld verfügt und in der Lage ist, dieses Wissen praktisch anzuwenden und eben jenen Personen, die auf Grundlage bestimmter Erfahrungen zu ExpertInnen geworden sind.

Folgt man dieser Definition, kannst auch du ein Experte oder eine Expertin der Big-Data-Revolution sein. Dein Wissen und deine Erfahrungen sind ebenso wichtig, wie die einer zertifizierten Autorität.

Doch wie kannst du dir Gehör verschaffen und wie können auch andere zu Wort kommen, deren Stimme bisher nicht gehört wird? Wie kann man erreichen, dass nicht nur die Avantgarde aus dem Silicon Valley angehört wird, die sowohl im Bereich der Wissenschaft als auch der Wirtschaft tonangebend zu sein scheint?

Auch bleibt die Frage, wie der Unterschied zwischen jemandem, der Daten „erzeugen“ und jemandem, der sie analysieren kann, aufgehoben werden kann.

Die Big-Data-Revolution braucht Dich!

Die Big-Data-Revolution braucht Dich!

Fakt ist: Nicht jeder kann programmieren oder ist ein Social-Media-Genie. Doch egal, in welchem Bereich du aktiv bist, ob in der Politik, in der Wissenschaft, in der Wirtschaft, an der Uni oder bei einer NGO – du kannst dabei helfen, die Potenziale von Big Data im Bereich der Zivilgesellschaft sichtbar zu machen.

Mit deinen Erfahrungen und dem dabei gesammelten Wissen kannst du dich als ExpertIn einbringen. Es beginnt mit einer intensiven Selbstbefragung:

– Du verbringst viel Zeit im Internet und fragst dich, was mit deinen Datenspuren passiert?

– Du engagierst dich politisch und willst herausfinden, welche Rolle Big-Data-Analyseverfahren für Parteien in Zukunft spielen können?

– Du entwickelst gerade eine Start-Up-Idee, die mit Big Data zu tun hat?

– Du arbeitest bei einer Gewerkschaft und fragst dich, welche Auswirkungen Big Data auf die Zukunft der Arbeit hat?

– Du engagierst dich ehrenamtlich und fragst, wie Big Data deiner Organisation helfen kann?

Wenn du auch nur eine dieser Fragen mit bejahen kannst, dann hast du einen Ausgangspunkt, um dabei zu helfen, die Big-Data-Revolution des digitalen Adels von den Füßen auf den Kopf zu stellen – und daraus einen Prozess des Volkes im Namen der Menschen- und Bürgerrechte zu machen. Du fragst dich jetzt: Wo anfangen? Wir haben ein paar Ideen zusammengetragen. Bitte lies weiter.

Foren zum Informieren und zum Mitdiskutieren

Dossier „Open Data“ der Bundeszentrale für politische Bildung
Auf dieser Seite kannst du dich darüber informieren, wie Big Data zu Open Data werden kann – also zugänglich für alle.

Doing Journalism with Data
Ein kostenloser Online-Kurs, der allen offensteht, die lernen wollen, wie man im Journalismus mit großen Datenmengen umgeht und wie man diese visualisieren kann.

iRights Cloud
Zusammenstellung von Texten rund um das Thema Big Data – aus Sicht der Userinnen und User.

Data USA
Eine Visualisierung aller Regierungsdaten, die in den USA öffentlich zur Verfügung stehen.

Big-Data-Initiativen, denen du dich dich anschließen kannst

Deutsche-Bahn-Hackathon
Die Deutsche Bahn stellt in so genannten Hackathons regelmäßig Verkehrsdaten zu Verfügung. JedeR kann sich anmelden und gemeinsam überlegen, was man mit solchen Daten anstellen kann.

Data-Harvest
Beim Data Harvest kommen alljährlich Menschen aus ganz Europa zusammen um gemeinsam mit offenen Daten zu arbeiten und sich zu überlegen, welche Geschichten diese Daten erzählen.

Reporter ohne Grenzen-Petition
Die Organisation „Reporter ohne Grenzen“ hat den BND verklagt, weil dieser ihrer Meinung nach unerlaubt Daten von JournalistInnen speichert. Wer diesen Zweck unterstützen will, kann die Petition unterzeichnen.

Big Data in unsere Hand?
Eine Initiative der Berliner Gazette. Auf dieser Seite werden die Ziele dieser Initiative beschrieben sowie ausführlich geschildert, wie Big Data in die Hände der UserInnen gelangen könnte.

Nützliche Werkzeuge, die helfen, weniger Datenspure zu hinterlassen

Anonymisierung mit TOR
Benutze fürs Surfen im Netz ein Verschlüsselungs- und Anonymisierungtool wie VPN oder TOR.

Anonym suchen mit Ixquick
Suchmaschinen wie Ixquick, DuckDuckGo oder Startpage respektieren deine Privatsphäre.

Verschlüsselung mit PGP
verschlüssel’ deine mit E-Mails mit PGP/GPG. Die “Free Software Foundation” stellt dieses nützliche Handbuch zum Thema Email-Verschlüsselung bereit.

Wer Ergänzungsvorschläge für diese Liste hat, kann sie einreichen unter mt(at)berlinergazette.de, Betreffzeile: „Wer bestimmt deine Zukunft?“.

Wer steckt dahinter?

Wer steckt dahinter?

Die Journalistin und Medienwisschaftlerin Magdalena Taube macht sich für die Idee stark, dass jede Bewohnerin und jeder Bewohner der digitalen Gesellschaft im Sinne eines „experience based expert“ die Kompetenz erlangen kann, Big Data für sich und die Gesellschaft nutzbar zu machen. So könnten die Potentiale von Big Data demokratisiert werden und eine Gegenerzählung zu der kalifornischen Big-Data-Revolution entstehen.

Magdalena ist seit mehr als zehn Jahren als Online-Journalistin aktiv, unter anderem als Redakteurin bei berlinergazette.de und als Expertin im Kanal Medien und Gesellschaft des Portals PIQD. Eines ihrer wichtigsten Anliegen ist die Vermittlung von Medienkompetenz, daher engagiert sie sich ehrenamtlich an einer Schule in Berlin-Neukölln und arbeitet mit gemeinsam mit SchülerInnen zu Themen wie sicherer Kommunikation im Netz. Magdalena hat an der Humboldt-Universität ihre Doktorarbeit zu „Digitalen Journalisten“ verfasst und unterrichtet dort sowie an anderen Hochschulen regelmäßig angehende MedienmacherInnen.

Als Fellow des Bucerius-Labs hat sie sich ein Projekt überlegt, das möglichst vielen Menschen mit verschiedenen Hintergründen erlauben soll, bei Big Data mitzureden. Wie es dazu kam? Magdalena selbst dazu:

„Ich beschäftige mich sich seit langem mit dem Internet und den Folgen der Digitalisierung für die Gesellschaft. Ich habe festgestellt, dass es in den letzten Jahren in all den Bereichen, in denen ich aktiv bin, ein Motiv gab, das immer wieder auftauchte: Big Data. Daher wollte ich der Sache möglichst praxisnah auf den Grund gehen.“

Die ExpertInnen des Big-Data-Workshops

Die ExpertInnen des Big-Data-Workshops

Der Big-Data-Workshop versammelte TeilnehmerInnen, die in Deutschland leben und arbeiten, manche permanent, manche hin und wieder. Sie alle kommen aus so unterschiedlichen Ländern wie Japan, Kroatien, Großbritannien, den USA, Vietnam und Indien. Es gab ältere Gäste, mit Professorentitel genauso wie junge Studentinnen im zweiten Semester; Unternehmer ebenso wie Menschenrechtsaktivisten, Programmierer wie Journalistinnen. Es waren genauso viele Männer wie Frauen zu Gast.

Mit ihren spezifischen Erfahrungen und ihrem besonderen Wissen konnten sie vielfältige Perspektiven auf Big Data eröffnen. Diese Art von Vielfalt spiegelt zum einen die Gesellschaft in Deutschland wider, die geprägt ist von einem Zusammenleben von Menschen mit den unterschiedlichsten kulturellen Hintergründen. Wenn auf politischer Ebene also über Big Data, über Datenschutzverordnungen oder andere Digitalthemen verhandelt wird, dann muss dieser interkulturellen Realität auch Rechnung getragen werden. Dann dürfen Experten nicht nur weiß und männlich sein.

Morana Miljanovic (Kroatien/Deutschland), Juristin und Menschenrechtsaktivistin. Kritische Auseinandersetzung mit digitalen Technologien im Zusammenhang mit Menschenrechtsverstößen. Affiliation: HERMES.

Kim Ly Lam (Vietnam/Deutschland), Studentin. Interessiert sich u.a. für Transhumanismus und Biotechnologie. Affiliation: Leuphana Universität.

Sahil Deo (Indien/Deutschland), Unternehmer und Programmierer. Betreibt eine datengetriebene Beratungsfirma. Affiliation: CPC Analytics.

Mitsuhiro Takemura (Japan/Deutschland), Medientheoretiker und Gründer. Sein Schwerpunkt ist die interkulturelle Vermittlung digitaler Themen zwischen Asien und Europa. Affiliation: Takemura Juku.

Fumi Murata (Japan/Deutschland), Forscherin und Community Managerin. Setzt sich für mehr Privatsphäre ein. Affiliation: Avec Lab.

Matt Linares (Großbritannien/Deutschland), Programmierer und Organisator. Engagiert sich im Rahmen von Crypto-Parties und Bürgerjournalismus. Affiliation: openDemocracy.

Michael Prinzinger (Deutschland/Japan), Unternehmer und Programmierer. Setzt sich für Verschlüsselung und Anonymisierung im Netz ein. Affiliation: Port Zero.

Jeff Deutch (USA/Deutschland), Forscher und Aktivist. Seine Schwerpunkte sind Datenpolitik und digitale Exklusion. Affiliation: Centre for Internet & Human Rights.

Nina Pohler (Österreich/Deutschland), Soziologin und Aktivistin. Arbeitet an einem Dissertationsprojekt zu alternativen Organisationsformen. Affiliation: Hafen-City-Univerisität.

Weiterführende Texte, Links und andere Ressourcen

Weiterführende Texte, Links und andere Ressourcen

* Wikipedia: Big Data
Eintrag zu Big Data in der kollektiven Online-Enzyklopädie Wikipedia.

* Big Data einfach erklärt
Ein Erklärvideo bei Wikimedia Commons.

* Big Data: Die Revolution, die unser Leben verändern wird
Ein Buch von Viktor Mayer-Schönberger und Kenneth Cukier.

* Big Data und informationelle Selbstbestimmung
Doku-Webseite zu einer Veranstaltung der Bundeszentrale für politische Bildung.

* Big Data und Genmaterial sollten Gemeingüter sein
Ein Essay von Shalini Randeria.

* Die Versuchungen von Big Data (S. 74 bis 79)
Ein Text von Jeanette Hofmann.

* Council for Big Data, Ethics, and Society
Big-Data-Rat der National Science Foundation aus den USA.

* Metadata. Jeffrey Pomerantz. MIT Press, 2015.

* Research Group: Ethics of Big Data
Interdisziplinäre Forschungsgruppe.

* Die Politik der Daten
Vortrag von Felix Stalder bei der Konferenz „Data Traces“.

* Sind Daten das Öl des 21. Jahrhunderts oder ein Gemeingut?
Ein Essay von Krystian Woznicki.

* Die Geschichte von Big Data
Arbeitsgruppe am Max-Planck-Institut für Wissenschaftsgeschichte.

Credits

Diese Web-Story ist im Rahmen des Fellow-Programms des Bucerius-Lab entstanden. Idee, Realisierung und Leitung: Magdalena Taube. Special Thanks: Krystian Woznicki. Die Fotos wurden von Andi Weiland beim Big-Data-Workshop gemacht. Das Startbild stammt von Pete Thoeny und ist im Silicon Valley, Kalifornien, entstanden. Videos: Andi Weiland und Magdalena Taube. Alle Texte, Videos und Fotos stehen unter der Creative Commons-Lizenz CC-BY-NC-SA 2.0.

[ssba]

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